„Wir brauchen Internationalen Schutz für das Assyrische Volk!“

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Während seines Deutschland-Aufenthalts vom 26. bis 30.07.2014, besuchte der Vorsitzende der Assyrischen Patriotischen Bewegung (APM), Ashur Giwargis, am 27. Juli auch das Auswärtige Amt in Berlin. In einem Treffen mit den Verantwortlichen erläuterte er die aktuelle Situation des Assyrischen Volkes zwischen IS (Islamischer Staat) und den Kurden, sowie die Notwendigkeit für dessen internationalen Schutz. Er betonte, es sei nicht nur eine religiöse, sondern auch eine nationale Angelegenheit. Giwargis kritisierte in dem Meeting offen Deutschlands fehlende scharfe Haltung hinsichtlich der gegen Christen gerichteten Ereignisse in Syrien und im Irak.

Von Marianne Brückl

Augsburg/Berlin – Eine Stunde vor unserem Flug nach Berlin treffe ich Ashur Giwargis, den Vorsitzenden der “Assyrischen Patriotischen Bewegung” (2012 im Libanon gegründet) am Münchner Flughafen. Er ist ein Mann mit Prinzipien und einem starken Willen. Er beeindruckt durch seine ruhige Art zu sprechen und seine angenehme Ausstrahlung. Er erzählt mir vom Hintergrund seiner Bewegung, von den Zielen und der Struktur, ebenso von den Anstrengungen der APM, die Assyrische Sache der Weltöffentlichkeit nahe zu bringen.

Ich frage ihn nach seinen Plänen für das Treffen im Auswärtigen Amt, die Themen, über die er sprechen möchte. Die Landnahmen durch die Kurden, die Situation des Assyrischen Volkes in seiner besetzten Heimat Assyrien, der Völkermord durch ISIS (IS) in Syrien und im Irak, sowie die Notwendigkeit internationalen Schutzes für die Assyrer, sind die wichtigsten Punkte für ihn. Und auch die Möglichkeit der Assyrer, als eine nationale Einheit in ihre Heimat zurückzukehren, mit ihrem eigenen Land, dessen Eigentümer sie vor der Besetzung durch die Kurden und Araber gewesen sind.

Die Assyrer sind Urvolk von Assyrien (Irak). Doch jetzt sind sie weltweit in vielen Ländern verstreut. Allein etwa 130.000 in Deutschland und nahezu die gleiche Anzahl in Schweden, Tendenz steigend.

Bis heute sind die Assyrer gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Sie leiden nicht nur unter der Bedrohung durch die Islamisten, sondern verlieren ihr Land und ihr Eigentum auch an die Kurden, die versuchen, das Vertrauen der Weltöffentlichkeit zu gewinnen, indem sie scheinbar die Christen retten, ihnen Siedlungsrecht geben, aber ihnen nicht gestatten, sich selbst zu verteidigen und ihre eigenen bewaffneten Streitkräfte zu bilden.

Islamisierung und Kurdifizierung stellen in der Geschichte fortwährend die größten Probleme dar. Im Zusammenspiel mit dem Erscheinen von ISIS (IS) stehen die Assyrer nun einer neuen Periode des Völkermordes gegenüber. Von kurdischer Seite ist es für die Augen der Welt ein stiller, höflicher und demokratischer, von Seiten des „Islamischen Staates“ ein grausamer und tödlicher.

“Natürlich sind die Christen der Kurdischen Regierung sehr willkommen, weil sie so der Welt den Unterschied zwischen der bedachten islamischen Verfolgung und dem kurdischen [lieblichen] demographischen Völkermord zeigen.“, sagt der APM-Vorsitzende.

Seit 1919 erfolgt eine permanente Annexion assyrischer Ländereien durch die Kurden, aber die größten Probleme kamen erst in den 1960er Jahren mit der Kurdischen Revolution. Ashur Giwargis hält ein Papier in Händen, das alle Einzelheiten dieser Landnahmen zeigt. Ein Dokument, das die wahren Eigentümer vor der Kurdischen Besetzung namentlich benennt. Und jetzt wiederholt sich die Situation. Der Völkermord begangen von ISIS (IS), die Landbesetzungen wieder durch die Kurden, doch diesmal in einer anderen Form, nämlich kontrolliert von der Irakischen Regierung, „in Übereinstimmung mit der kurdo-islamischen Verfassung des Irak“, wie Giwargis es ausdrückt.

Die Situation in Syrien stellt sich auch nicht besser dar. Die Assyrer verließen ihre Dörfer, ungefähr 35 im Nord-Osten von Syrien, und die Kurden, die gegen ISIS (IS) und andere islamistische Organisationen kämpfen, bereiten deren Besetzung unter einem neuen „Kurdistan“ vor. Ashur Giwargis weist darauf hin, dass die Assyrer (einschließlich Chaldäer und Syrisch-Orthodoxe) die wahren Eigentümer des Landes sind und in keinerlei Hinsicht eine Abspaltung von Syrien wollen.

Die Lösung liegt für den APM-Vorsitzenden nicht in der Ermutigung des Assyrischen Volkes, aus ihrer Urheimat auszuwandern, sondern es muss eine andere Form der politischen Intervention erfolgen, um der Assyrischen Nation die Gelegenheit der Selbsterhaltung in der Weltgemeinschaft zu geben.

Für APM ist es sehr wichtig, die Assyrer nicht in Europa oder irgendwo sonst im Ausland zu halten, sondern eine Möglichkeit zur Rückkehr vorzubereiten. Und dies wird nicht ohne internationalen Schutz möglich sein, der im Irak durchgesetzt werden muss.